Think Blue. Factory.
Ressourcen schonen als Prinzip

Bis 2018 sollen alle Standorte der Marke Volkswagen 25 % weniger Ressourcen pro produzierter Einheit verbrauchen als 2010. Dafür steht das Programm „Think Blue. Factory.“. Es ist Teil einer ganzheitlichen Haltung in Bezug auf ökologische Verantwortung, die wir konzernweit leben wollen. Der Standort Emden ist ein gutes Beispiel.

Auf Pfählen thront der neue Karosseriebau

im Volkswagen Werk Emden. Statisch war das erforderlich, denn die Halle ist auf ehemaligem Marschland errichtet. Aus ökologischen Gründen wurden über die Hälfte der 5.500 Pfähle mit Kunststoffröhren versehen. Sie ragen tief in den Boden und nutzen dessen Kühle, um das in den Rohren zirkulierende Wasser auf zehn Grad zu kühlen – und damit die Anlagen im Karosseriebau zu versorgen. Mit dem Oberflächen-Geothermiefeld – weltweit das aktuell größte – setzt das Werk Emden einen weiteren Pfeiler bei der Nutzung erneuerbarer Energien.
Bereits seit 1994 drehen sich auf dem Gelände nunmehr elf Windkraftanlagen der Stadtwerke Emden. Auf rund 3.000 m2 Dachfläche ist eine der größten Photovoltaikanlagen Niedersachsens installiert. Dadurch angeregt entstand bald eine weitere Solaranlage – finanziert und betrieben von einer Belegschaftsgenossenschaft. Seine Gebäude und Fertigungshallen beheizt das Werk zu knapp 80 % CO2-neutral mit Fernwärme aus einem nahe gelegenen Biomassekraftwerk. Gespeist wird dieses auch mit Pappeln und Weiden aus dem werkseigenen Energiewald. Mit seinem ökologischen Engagement gilt der Standort Emden als die „blaue Fabrik am Meer“.

Blau ist die Farbe der Effizienz

bei Volkswagen, das Konzept dazu heißt „Think Blue.“. Gestartet 2005 zur Kennzeichnung besonders sparsamer Modelle (BlueMotion) wurde es seit 2010 zu einer ganzheitlichen Haltung in Bezug auf ökologische Verantwortung ausgeweitet. „Think Blue. Factory.“ trägt diese Haltung seit Ende 2011 in die Produktion. Den Volkswagen Werken setzt es ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2018 sollen die Umweltbelastungen pro produzierter Einheit gegenüber 2010 um 25 % sinken. Als Stellschrauben gelten fünf Umweltkennzahlen: Energie, Wasser, Abfall, CO2 und Lösemittelemissionen. Sie machen die erzielten Fortschritte transparent. Für ihre einheitliche Interpretation etablierte Volkswagen eine weltweit gültige Norm.
Aktuell beteiligen sich 27 von insgesamt 43 Werken der Marke Volkswagen auf vier Kontinenten an dem Umweltprogramm. Bis Ende September 2013 identifizierten sie ressourcenschonende Maßnahmen mit einem Einsparpotenzial von insgesamt 114,3 Mio. €. Mehr als ein Viertel davon wurde bereits realisiert. Für das konzernweite Ziel, bis 2018 der ökologisch führende Automobilbauer zu sein, wird das vielfach prämierte ganzheitliche Effizienzprogramm sukzessive auf weitere Konzernmarken ausgerollt. ŠKODA hat bereits die komplette Systematik übernommen und verfolgt damit das 25 %-Reduktionsziel im Rahmen seiner Markenstrategie „Green Future“.
Konzipiert wurde das Unternehmensprogramm „Think Blue. Factory.“ gemeinsam mit den Volkswagen Werken. Für jedes wurde zunächst der Status quo – die Absprungbasis – errechnet und verbindliche Ziele bis 2018 festgelegt. Das Rüstzeug für die Umsetzung liefert ein Maßnahmenkatalog. Er bündelt das Erfolgswissen der Standorte, Pilotprojekte sowie technische Innovationen und umfasst aktuell rund 140 Leitmaßnahmen – komprimiert dargestellt mit technischen Details, Umweltauswirkungen und Kontaktdaten für den standortübergreifenden Wissensaustausch. Die Werke nutzen diesen Katalog, um daraus für sich geeignete Maßnahmen zu identifizieren, und ordnen sie auf einem eigenen sogenannten Migrationspfad an, entlang dem sie ihre Produktion ökologischer ausrichten. „Für Umweltthemen haben wir uns schon immer begeistert. Mit Think Blue. Factory. agieren wir nun zielorientierter“, sagt Thomas Laaken, verantwortlich für Umwelt- und Energiemanagement im Werk Emden und dort zugleich „Think Blue. Factory.“-Beauftragter.
Die neue Lüftungsanlage in der Montagehalle brachte ihm viel Besuch von Kollegen aus anderen Werken. Dank Sensoren und moderner Steuerungstechnik verbraucht die Anlage 80 % weniger elektrische Energie, deutlich leiser ist sie überdies. „Den Investitionen von rund 1,4 Mio. € stehen jährliche Einsparungen von rund 850.000 € gegenüber“, sagt Laaken. Auf Interesse dürfte auch das kürzlich sanierte Verwaltungsgebäude stoßen: 80 % weniger Wärme und 50 % weniger Strom lautet die stolze Energiebilanz. Verantwortlich dafür sind eine hochenergetische Dämmung, die komplette Ausstattung mit LED-Technik und Heizklimadecken sowie vier hocheffiziente Mini-Blockheizkraftwerke im Keller des Gebäudes.
3.400 ressourcenschonende Maßnahmen setzen die Volkswagen Standorte weltweit im Rahmen von „Think Blue. Factory.“ um.

Der Erfolg von „Think Blue. Factory.“

lebt von der wechselseitigen Inspiration der Werke – und von der konsequenten Einbeziehung der Mitarbeiter. Sie wissen aus ihrer Praxis, wo sich in der Produktion Ressourcen einsparen lassen. „Think Blue. Factory.“ ist daher eng mit dem Ideenmanagement von Volkswagen verknüpft. Um die Mitarbeiter für das Umweltprogramm zu sensibilisieren, tragen in den Werken speziell ausgebildete „Botschafter“ aus allen Gewerken das Reduktionsziel in die Produktionshallen und fungieren dort als fachliche Ansprechpartner.
Fest steht: Minus 25 % pro produzierter Einheit sind eine Herausforderung für jeden Standort – insbesondere für jene, die bereits in der Vergangenheit Effizienzpotenziale ausgeschöpft haben. „Wir sind dennoch sehr zuversichtlich“, sagt Laaken. In puncto CO2-Emissionen will er die Zielmarke sogar übertreffen und die Produktion bis 2018 CO2-neutral gestalten. Die Ausplanung von vier eigenen Windenergieanlagen ist bereits in vollem Gang.

1 – Das Sammel- und Verteilzentrum mit Wärmepumpe zur Nutzung der Geothermie. 2 – Thomas Laaken, verantwortlich für Umwelt- und Energiemanagement im Werk Emden. 3 – Auf dem Dach des Emdener Werks: die größte Photovoltaikanlage Niedersachsens.