Wasser und Wind
Fokus auf erneuerbaren Energien

Erneuerbare Energien spielen in der Konzernstrategie 2018 eine wichtige Rolle. Sie bestmöglich auszuschöpfen, erfordert je nach Markt eigene Konzepte. Brasilien bietet gute Voraussetzungen für die Nutzung von Wasserkraft. Volkswagen do Brasil deckt mit seinem Kraftwerk Anhanguera bereits knapp ein Fünftel seines Strombedarfs auf umweltfreundliche Weise. Und engagiert sich zugleich für einen sicheren Zugang zu Trinkwasser.

Wasser ist Leben.

Für Brasilien mit seinen zahlreichen Flussläufen und hohen Gefällen bildet Wasser zugleich den Pfeiler der Energieversorgung. Rund 80 % der landesweit produzierten Energie stammen aus Wasserkraft. Auch der Volkswagen Konzern leistet hierzu einen nennenswerten Beitrag. Das gemeinsam mit zwei lokalen Partnern errichtete und 2010 ans Netz gegangene Kleinwasserkraftwerk Anhanguera speist jährlich rund 100 Gigawattstunden Strom ins nationale Netz. Die vier brasilianischen Volkswagen Werke decken damit gut 18 % ihres Energieverbrauchs. Dauerhaft von dem Kraftwerk profitiert auch die Provinzgemeinde São Joaquim da Barra, deren jährliche Steuereinnahmen dadurch um rund 25 % gestiegen sind.
„Langfristig wollen wir bis zu 80 % unseres Energiebedarfs eigenständig abdecken.“

Eduardo Barros, Leiter des Rechtswesens und Verantwortlicher für Nachhaltigkeit im Board von Volkswagen do Brasil

Für Volkswagen do Brasil ist Anhanguera nur der Anfang einer ambitionierten grünen Eigenstrominitiative. „Langfristig wollen wir bis zu 80 % unseres Energiebedarfs eigenständig aus regenerativen Quellen abdecken und uns damit gegen Preissteigerungen absichern“, erläutert Eduardo Barros, Leiter des Rechtswesens und Verantwortlicher im Board von Volkswagen do Brasil für Nachhaltigkeit. Verstärkt eine Rolle spielen soll im künftigen Energiemix die Windkraft, die mittlerweile preiswerteste Energiequelle Brasiliens. Das Potenzial hier ist riesig, neuere Studien haben dafür ein theoretisches Gesamtpotenzial in Höhe von 143 Gigawatt ausgemacht.
Die nachhaltige Energiestrategie zahlt sich bereits aus: Als erster Automobilhersteller in Brasilien erhielt Volkswagen do Brasil vom UNO-Sekretariat der Klimarahmenkonvention im Jahr 2012 grünes Licht zur Ausgabe von CO2-Zertifikaten. Für einen Zeitraum von zehn Jahren kann der Volkswagen Konzern auf dem Markt Zertifikate in Höhe von rund 162 t CO2 verkaufen.
Auf umweltfreundliche Weise Energie zu erzeugen, ist Teil der weltweiten Volkswagen-Strategie „Think Blue. Factory.“. Exemplarisch dafür steht der Anfang 2013 ans Netz gegangene Solarpark am Volkswagen Werk in Chattanooga (USA). Der erzeugte Strom – jährlich bis zu 13.100 Megawattstunden (MWh) – wird direkt in der Fertigung eingesetzt und deckt bei voller Leistung 12,5 % des Energiebedarfs. Den größten Dach-Solarzellenpark der Automobilindustrie betreibt SEAT in seinem Werk in Martorell (Spanien). Die jährliche Produktionskapazität beläuft sich auf 15.000 MWh. Weltweit investiert der Volkswagen Konzern an seinen Standorten bis 2018 rund 600 Mio. € in Photovoltaik, Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerke, Biomasseanlagen und Windparks.

Bei der Umsetzung der Projekte

gelten strenge ökologische Vorgaben. Beispiel Brasilien: Die für Wasserkraftwerke benötigte Speicherkapazität erfordert oft massive Eingriffe in die Natur. Um sie möglichst gering zu halten, konzentriert sich Volkswagen do Brasil auf kleine Anlagen. Diesen genügt eine geringe Staufläche, der natürliche Fluss des Wassers verändert sich dadurch kaum. Im Kleinwasserkraftwerk Anhanguera verbleibt das gespeicherte Wasser gerade einmal 24 Stunden im Reservoir, bevor es die drei installierten Turbinen passiert und den Sapucaí River weiter abwärts fließt. Die Gefahr der Methangasbildung durch lange Standzeiten ist dadurch ausgeschlossen.
Die Intaktheit des Ökosystems gewährleistete Volkswagen do Brasil durch ein umfangreiches Wiederaufforstungsprogramm. Rund um den Speichersee wurde auf einer Fläche von 116 Hektar ein artenreicher Wald gepflanzt – anstelle der bis dato vorherrschenden Monokultur aus Zuckerrohr. Vom Damm an entstand flussaufwärts ein 5,8 Kilometer langer Grüngürtel mit über 100 Pflanzen- und Baumarten. In enger Zusammenarbeit mit Experten, unter anderem mit Wissenschaftlern der Universität São Paulo, wurde zudem ein Überwachungs- und Schutzprogramm für heimische Tierarten ins Leben gerufen, das sich auch auf die Flussbewohner erstreckt: Der Einbau einer Aufstiegshilfe für Fische sichert fortan deren ungehinderten Weg durch den Sapucaí River. Das Engagement erregte auch in der Fachwelt Aufsehen: Auf der lateinamerikanischen Fachmesse für Wasserkraft „Hydro Vision Brasil 2013“ erhielt Anhanguera den ersten Preis in der Kategorie „Ökologische Nachhaltigkeit“.
600 Mio. € investiert der Volkswagen Konzern bis 2018 an seinen Standorten weltweit in die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien.

Das Potenzial von Wasser

nutzt Volkswagen do Brasil nicht nur für die eigene Produktion. Mit dem Bau von leicht zu installierenden und wartungsfreundlichen Wasserpumpen stellt das Unternehmen zudem in neun brasilianischen Bundesstaaten eine kostenlose Wasserversorgung sicher. Denn so umfangreich die jährlichen Niederschläge in Brasilien sind, so ungleich verteilen sie sich. Über 1.000 der von Hand zu bedienenden „Volkspumpen“ hat Volkswagen do Brasil im Rahmen des Programms Popular Water Pump bislang installiert. Sie verschaffen rund 140.000 Menschen vor allem in Dürrezeiten Zugang zu Trinkwasser. Bei seinem Brasilienbesuch im Mai 2013 würdigte Bundespräsident Joachim Gauck das Engagement – und ließ es sich nicht nehmen, am Rad einer „bomba d’água popular“ zu drehen.

1 – Jährlich 100 Gigawattstunden Strom erzeugt das Kraftwerk Anhanguera. 2 – Die Staustufe wird von einem 5,8 Kilometer langen Grüngürtel begleitet. 3 – Eduardo Barros, Leiter des Rechtswesens und Verantwortlicher für Nachhaltigkeit im Board von Volkswagen do Brasil.