Lieferantenmanagement

Der Volkswagen Konzern fördert Nachhaltigkeit über den gesamten Wertschöpfungsprozess hinweg und stellt damit stabile und effiziente Waren- und Lieferströme sicher. Dazu haben wir 2006 das Konzept „Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen“ entwickelt und setzen es seither Schritt für Schritt um. 22
Es basiert im Wesentlichen auf vier Säulen:

  • Nachhaltigkeitsanforderungen für direkte Lieferanten (1st-Tier), die alle Zulieferer vor der Abgabe eines Angebots zur Kenntnis nehmen müssen. Diese sind darüber hinaus für alle seit dem 12. November 2013 neu abgeschlossenen Verträge der Allgemeinen Beschaffung Bestandteil der Allgemeinen Einkaufsbedingungen und somit vertraglich integriert.
  • Früherkennungssystem zur Identifizierung und Minimierung von Risiken entlang der Wertschöpfungskette.
  • Integration in den Beschaffungsprozess, beispielsweise durch den Fragebogen Nachhaltigkeit.
  • Lieferantenmonitoring und -entwicklung.

Anforderungen an Lieferanten

Grundlage unserer Lieferantenbeziehungen sind die konzernweit gültigen „Anforderungen des Volkswagen Konzerns zur Nachhaltigkeit in den Beziehungen zu Geschäftspartnern (Code of Conduct für Geschäftspartner)“. Weiterhin gelten als verpflichtende Vertragsbestandteile die Umweltziele, wie sie in den VW-Normen 01155 und 99000 definiert sind. Beispielsweise ist bei Verwendung von Holz aus Urwäldern zwingend ein FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) erforderlich. Die Anforderungen gelten für alle beschafften Waren und Dienstleistungen weltweit. Von unseren 1st-Tier-Lieferanten erwarten wir, dass sie die Anforderungen einhalten und an ihre Zulieferer weiterreichen. Von unseren Hauptlieferanten fordern wir zudem ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 oder EMAS. Überprüft oder dokumentiert ist dies für 84 % unserer Hauptlieferanten.

Risikoanalyse

Um schon vor Verhandlungen mit potenziellen Lieferanten eine Einschätzung zum Stellenwert von Nachhaltigkeit in der jeweiligen Region treffen zu können, hat der Volkswagen Konzern mit Unterstützung unabhängiger Institutionen eine Länderrisikoanalyse durchgeführt. Sie ergab, dass in Brasilien, Indien, China, Mexiko und Russland ein erhöhtes Risiko der Nichteinhaltung unserer Nachhaltigkeitsanforderungen besteht. 2013 wurden deshalb in Indien und Mexiko Lieferantenaudits durchgeführt, 2014 werden sie auf weitere Risikoländer und risikoreiche Lieferantengruppen ausgedehnt.
Die US-amerikanische Regierung will die Finanzierung bewaffneter Gruppen im Kongo durch Rohstoffgewinnung und -handel mit dem Dodd-Frank-Act unterbinden, der ab 2014 Auskunft zu sogenannten Konfliktmineralien in Produkten verlangt. Der Volkswagen Konzern ist davon allerdings nicht unmittelbar betroffen.

Umsatzbasierte Anteile von Umwelt- und Sozialzertifikaten bei Hauptlieferanten

   2013   2012  
Umweltzertifikate (EMAS, ISO 14001)     
Geprüft1 44% 30%
Selbstauskunft 40% Nicht berücksichtigt
Summe 84%2 Nicht berücksichtigt
Sozialzertifikate (OHSAS 18001, SA8000, AA 1000)
Geprüft1 6% Nicht berücksichtigt
Selbstauskunft Ab 2014 Nicht berücksichtigt
Summe 6%2 Nicht berücksichtigt

1 Durch Volkswagen geprüft. Zertifikate liegen dokumentiert in einer internen Datenbank.
2 Bezogen auf alle Lieferanten beträgt der Anteil bei EMAS/ISO 14001 75 % und bei den Sozialzertifikaten 5 %.

Beschaffungsvolumen 2013

in Mrd. €
     
Nach Marken     
Volkswagen Pkw 79
Audi1 23,6
MAN 8,8
ŠKODA 6,5
Scania 6,4
SEAT 3,9
Volkswagen Nutzfahrzeuge 2,4
Porsche 3,7
Bentley 0,7
Volkswagen Konzern 135
   
Nach Regionen    
Europa/übrige Märkte 87,9
Asien-Pazifik 31,9
Südamerika 8,9
Nordamerika 6,3

Nicht berücksichtigt bei der Erhebung der Umsatzverteilung sind Warenlieferungen der
Lieferanten der Marken Lamborghini, Bugatti, Porsche, Scania, MAN, ŠKODA India und
der chinesischen Joint Ventures.
¹ Audi inklusive Lamborghini und Ducati.

Beschaffungsvolumen 2013 nach Commodities

in%
 
   
Metall 30
Powertrain 22
Elektrik 19
Interieur 15
Exterieur 14
Volkswagen Konzern 100

Seit 2013 engagieren wir uns in der von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Investoren und Unternehmen getragenen Extractive Industries Transparency Initiative (EITI). Sie hat das Ziel, Korruption dadurch zu bekämpfen, dass Geldströme in Bezug auf Rohstoffe transparent gemacht werden. Auch im Rahmen der ständigen Mitarbeit im UN Global Compact Beratergremium zur Nachhaltigkeit in der Zulieferkette setzt sich der Volkswagen Konzern für Transparenz in der Lieferkette ein.
Alle potenziell neuen Geschäftspartner und Zulieferer unterzieht der Volkswagen Konzern einem Integritätscheck (Businesspartner-Check). So vermindern wir das Risiko einer geschäfts- und unternehmensschädigenden Zusammenarbeit. Bei mehr als 12.000 solcher potenziell neuer Lieferanten wurde im Jahr 2013 weltweit der Businesspartner-Check durchgeführt.

Risikomanagement in der Beschaffung

Integration in den Beschaffungsprozess

Um mit dem Volkswagen Konzern in eine Geschäftsbeziehung zu treten, müssen unsere Lieferanten nach der Registrierung auf der Konzern-Business-Plattform folgenden Prozess durchlaufen:

  • Nachhaltigkeitsanforderungen: Vor Abgabe eines Angebots muss die Kenntnisnahme der Nachhaltigkeitsanforderungen bestätigt werden. Seit dem 12. November 2013 sind die Anforderungen für alle Lieferanten der Allgemeinen Beschaffung über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vertraglich integriert.
  • Fragebogen Nachhaltigkeit: Im Verlauf des Geschäftsprozesses wird der Lieferant aufgefordert, den Fragebogen Nachhaltigkeit auszufüllen. Zum 31. Dezember 2013 haben 11.749 1st-Tier-Lieferanten des Konzerns diesen beantwortet. Dies entspricht einer umsatzbasierten Abdeckung von 82 %.
  • E-Learning: Im Sinne der kontinuierlichen Lieferantenentwicklung stellen wir allen Lieferanten im Verlauf der Geschäftsbeziehung ein elektronisches Lernmodul in acht Sprachen zur Verfügung, unter anderem in Chinesisch und Russisch. Hat ein Lieferant dies absolviert, durchläuft er einen Selbstcheck. Nur wenn dieser erfolgreich ist, gilt das Lernmodul als bestanden. Bis Ende 2013 hatten 8.652 1st-Tier-Lieferanten das E-Learning absolviert, was einer umsatzbasierten Abdeckung von 50 % entspricht.

LERNANGEBOT FÜR ALLE MITARBEITER VON LIEFERANTEN

Lieferantenmonitoring

Wenn wir Informationen erhalten oder auf Basis unseres Frühwarnsystems zu vermuten ist, dass 1st-Tier-Lieferanten oder Sublieferanten unsere Nachhaltigkeitsanforderungen nicht erfüllen oder die Antworten auf unseren Fragebogen Nachhaltigkeit nicht zufriedenstellend sind, bitten wir diese um eine schriftliche Stellungnahme auf Grundlage eines standardisierten Berichts (sogenannter 6-D-Report): Anhand von sechs zu beantwortenden Punkten können sie den Sachverhalt und korrigierende Maßnahmen darstellen. Sind die Antworten abermals nicht zufriedenstellend, ergreifen wir weitere angemessene Maßnahmen wie beispielsweise die Prüfung von Dokumenten, Vor-Ort-Besuche bei Lieferanten oder auch weitere, individualisierte Qualifizierungsmaßnahmen für Lieferanten. Die Koordination übernimmt das Ad-hoc-Expertenteam in Wolfsburg gemeinsam mit Expertenteams der jeweiligen Marken und Regionen. Je nach Sachlage werden Experten aus Fachbereichen wie Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz oder Personal hinzugezogen. Im Jahr 2013 gab es insgesamt 29 Ad-hoc-Fälle, davon acht Fälle mit Tier 2-Lieferanten. Elf der Fälle traten in Europa auf, 13 in Asien, vier in Nord- und Südamerika und einer in Afrika. Die im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Zahl ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Qualitätsprozessauditoren und das Kaufteilemanagement (Außendienst) kontinuierlich sensibilisiert werden, auf Verstöße der Zulieferer zu achten.
Nachhaltigkeitsschulungen sind unter anderem integriert in die Beschaffungsakademien an den einzelnen Standorten und finden darüber hinaus fachbereichsbezogen statt. So wurden zum Beispiel am Standort Wolfsburg in 15 unterschiedlichen Veranstaltungen rund 1.200 Mitarbeiter aus Einkauf, Qualitätssicherung, Compliance und angrenzenden Fachbereichen qualifiziert.
Als interne sowie externe Anlaufstelle für Verdachtsmomente hinsichtlich möglicher Verstöße gegen unsere Nachhaltigkeitsanforderungen, insbesondere im Bereich Einschränkung der Menschenrechte in der Lieferkette, dient die Adresse sustainability@vwgroupsupply.com. Darüber hinaus besteht für Interne und Externe die Möglichkeit, potenzielle Verstöße über die nationalen und internationalen Arbeitnehmervertretungen (Beispiel: Gesamt- und Konzernbetriebsrat oder Euro- und Weltkonzernbetriebsrat) sowie die nationalen und internationalen Gewerkschaftsverbände (Beispiel: IG Metall oder IndustriALL) zu adressieren.

Audits und Prüfungen vor Ort

Grundsätzlich stehen bei allen Prozessschritten und bei allen Maßnahmen der faire, partnerschaftliche Dialog und die Entwicklung des Lieferanten mit dem Ziel einer kontinuierlichen Zusammenarbeit im Vordergrund. Der Volkswagen Konzern behält sich gleichwohl das Recht vor, die Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen bei Geschäftspartnern durch Experten zu den regulären Geschäftszeiten vor Ort zu prüfen. Bei Nichteinhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen beenden wir die Geschäftsbeziehungen insbesondere dann, wenn beim Lieferanten keine Bereitschaft zur Entwicklung zu erkennen ist. Im Berichtszeitraum trat kein solcher Fall ein.

Status Fragebogen Nachhaltigkeit und E-Learning

  Anzahl 2012  Anzahl 2013
(neu dazugekommen) 
Anzahl 2013 + 2012  Entspricht %
vom Umsatz 2013 
Ziel 2014,
umsatzbasiert 
Fragebogen Nachhaltigkeit
(Selbstauskunft)
7.812 3.937 11.749 82 % 88 %
Durchschnittliches Ergebnis 90/100 89/100 90/100
E-Learning 2.420 6.232 8.652 50 % 70 %

Ad-hoc-Fälle 2013

Geografische Verteilung1   Inhaltliche Verteilung   Art des Lieferanten  
Europa 11 Fälle Umweltschutz 1 Fall Direkter Lieferant 21 Fälle2
Asien 13 Fälle Sozialstandards 26 Fälle Sublieferant 8 Fälle
Nord- und Südamerika 4 Fälle Umweltschutz & Sozialstandards 2 Fälle
Afrika 1 Fall

1 Bei der Beteiligung von Unterlieferanten wurde der geografische Ort des Unterlieferanten als Grundlage der geografischen Verteilung verwendet.
Russland und Türkei werden bei der geografischen Verteilung Asien zugewiesen.
2 Beinhaltet einen Fall mit der Beteiligung des direkten Lieferanten und Unterlieferanten.


Unterstützt wird unsere Beschaffung beim Monitoring auch durch unsere Mitarbeiter im Außendienst. Insbesondere die Qualitätsprozessauditoren achten bei ihren Lieferantenaudits darauf, ob der Fragebogen Nachhaltigkeit beantwortet und verstanden wurde, und informieren die Beschaffung, falls dies nicht der Fall ist. Es folgt ein Eskalationsprozess, in dem unter anderem der sogenannte 6-D-Report zum Einsatz kommt.

Schulungen für Lieferanten

Wie schon in den Vorjahren fanden im Berichtszeitraum in verschiedenen Regionen Workshops oder Nachhaltigkeitstrainings mit und für lokale Lieferanten statt. Unter anderem traf sich Volkswagen Argentina im Juni 2013 mit seinen 45 wichtigsten Lieferanten, um Ideen und Konzepte auszutauschen, wie Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette gemeinsam realisiert werden kann. Ziel war, ein gemeinsames Verständnis der unterschiedlichen ökologischen wie sozialen Herausforderungen zu entwickeln. In São Paulo (Brasilien) organisierte Volkswagen do Brasil einen Workshop mit etwa 70 strategisch wichtigen Lieferanten. Anhand erfolgreicher Beispielprojekte wurde hier die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen diskutiert und es wurden Voraussetzungen geschaffen, um verantwortungsvolles Wirtschaften in der strategischen Planung der Geschäftspartner zu verankern.
Zusätzlich dazu wurden 2013 im Rahmen der Initiativen „Automotive Industry Action Group“ und „European Automotive Working Group on Supply Chain Sustainability“, an denen wir mitarbeiten, Trainings für 1st-Tier-Lieferanten in Mexiko, Brasilien und Rumänien durchgeführt. Inhalte sind Basisanforderungen wie Arbeitssicherheit oder Umweltschutz – jeweils angepasst an den lokalen rechtlichen Kontext. Dabei wurden gemeinsam mit anderen Automobilherstellern 129 Personen von 87 Lieferanten des Volkswagen Konzerns zu Nachhaltigkeitsanforderungen qualifiziert. Sie wurden aufgefordert, die Informationen auch an ihre eigenen Zulieferer weiterzugeben.  23

Status und Ausblick

Ein zentrales Ziel für 2013 war die Integration der Marken Porsche, Scania, MAN und Ducati in das Konzept „Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen“. Das haben wir unter Vorbehalt der Umsetzung einzelner Elemente erreicht. Auch konnten wir das Lieferantenmonitoring und die -schulungen wie geplant ausweiten. Dies wollen wir 2014 fortsetzen und zudem unser E-Learning-Tool den Mitarbeitern weiterer 1st-Tier-Lieferanten zugänglich machen. Unser Ziel für 2014 ist hierbei, eine umsatzbasierte Abdeckung von 70 % hinsichtlich des E-Learning-Tools und 88 % hinsichtlich unseres Fragebogens Nachhaltigkeit bei unseren 1st-Tier-Lieferanten zu erreichen.
Unser zentrales Anliegen ist es, sicherzustellen, dass die Nachhaltigkeitsanforderungen in alle Verträge des Konzerns integriert werden. Seit Januar 2014 werden die Nachhaltigkeitsanforderungen in die Verträge für Lieferanten von Produktionsmaterial integriert. Gleichzeitig planen wir eine Ausweitung von externen CSR-Audits wie auch der CSR-Qualifikation unserer direkten Lieferanten.

Trainings für 1st-Tier-Lieferanten
in Mexiko, Brasilien und Rumänien durchgeführt.